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Humus der Liebe - das bin ich dir schuldig

Der Denationalisierung von Finanz- und Wirtschaftspolitik steht keine angemessene Sozialpolitik gegenüber.

Gemäß den Publikationen  von Dr. Ditutu Bukasa in We The People und The Global Player, sowie persönlichen Debatten und Gesprächen, glaubt er in Bezug auf die Globalisierung weder an die alleinige Verantwortung der sogannten unsichtbaren Hand des Marktes, noch an ein einzelnes Diktat einer einzigen  Macht oder zentralen Rationalität (etwa: nur Russen oder nur CIA).

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Schließlich resümiert er über die Verirrungen der afrikanischen Diktatoren, dass diese von einem „unwiderstehlichen Freiheitssinn inspiriert sind". Es geht hier wegen Raumstreitigkeiten nicht mehr um „das Sterben" von schwarzen Menschen, sondern um deren systematische Dezimierung, was sich in deren Abschlachten „wie die Hasen“ an der Wurzel, in Afrika selbst, zeigt. Es geht um Massaker in Regionen aus seinem Geburtsland Kongo, die sehr rohstoffreich sind, und um die Indifferenz gegenüber Opfern schlimmster Verbrechen und Ausbeutung seitens der Weltöffentlichkeit.

Im Angesicht unfassbarer humaner Katastrophen, die diese ökonomische Konstante besitzen, wie dem Beni-Genozid im Jahr 2016, spricht er von der „Mittäterschaft der Weltgemeinschaft". Er identifiziert hinter ihrer Gleichgültigkeit eine „faschistoide Dynamik", einen Rassismus, der eine historische Kontinuität besitzt, weshalb er von transgenerationeller Täterschaft spricht. Der überlappende Konsens mit den Rechten Politiken existiert dort, wo die Flüchtlingen aus diesen Regionen auf sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge reduziert werden.  Wirtschaftsflucht ist ein weitverbreitet penalisierbares Delikt. Spätestens hier entfalten sich auch die Doppelstandards der Werte in der Menschenrechtsrethorik.

Die Auflösung dieser schwerwiegenden Zusammenhänge, in denen auch das Black Lives Matter-Movement einen Teil seiner Wurzeln hat, hält er für die Herausforderung des 21. Jahrhunderts.

Die Gefühllosigkeit gegenüber Atrozitäten in fernen Ländern und die Indifferenz gegenüber den Schwierigkeiten der „kleinen Leute“ nimmt er alarmierend wahr als Symptom eines virulenten Maßes der Gewalt. Immer wieder forciert er den Begriff der „Dämonen aus der Vergangenheit", personifiziert durch politische Akteure, wie den LePens, den White Supremacy-Trumpisten, Strache’s-Identitären & Co., die es vermochten, sich in der Zeit der Flüchtlingskrise wieder zu erheben.

Die Reaktionen der Rechtsradikalen auf die ungewollte Migration und die in diesem Kontext auftauchende Verhetzung von Volksgruppen verurteilt er aufs Schärfste. Er schreibt: Frieden ist das allererste Gebot und die Maxime aller Politik. Alle Menschen, die in derselbsen Zeit und demselben Raum leben, sollen gleiche Rechte und Pflichten genießen. Parteipolitische Aufhetzung bzw. Verhetzung von Menschen(gruppen), nicht nur direkt, sondern auch indirekt, soll auf das Schärfste bestraft werden.

Als ursächlichen Grund für deren politischen Erfolg nennt er das „Black Box“-Phänomen. „Black Box" ist ein modernes Äquivalent des Begriffs der Doppelbödigkeit. Die Doppelbödigkeit, kommt in vielen Artikeln meines Vaters vor und zwar bereits in den 1990er Jahren, sowohl im Kontext zwischenmenschlicher als auch weltpolitischer Probleme.  Der moderne Begriff der Black Box begleitet Dr. Bukasa mit Ausklingen der Refugee-Bewegung 2013 und danach beim Auftauchen der ersten Terrorwellen der ISIS. „Black Box" als Instrument der Problemabwälzung, um schlechte Verhaltensweisen zu projizieren. Die Pervertierung des gesellschaftlich Schwächeren und das Tragen von Masken tauchen in diesem Gesellschaftsdiskurs sehr häufig auf.

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Nguma Ameli Ngoma – Die Anakonda hat die Kuh verchluckt und kann sich jetzt nicht mehr bewegen. Die Schlange ist Europa. Mit diesem Lingala-Sprichwort leitet Dr. Bukasa seine Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terrorismus in der Öffentlichkeit ein. Diese neuen Formen des Terrorismus nennt er einen „Ausfluss" der globalisierten Misstände in Form von Gewalt. Er schreibt: „Die durch Jahre im Geiste des Raubtierkapitalismus ausgeübte Gewalt Europas anderen Kulturen gegenüber scheint durch die Globalisierung exogen und endogen negativ auf Europa zurückzuwirken. Der Terrorismus von heute ist ebenfalls globalisiert und seine Mobilität ist wie die des Kapitals.“ Diese Kultivierung der Gewalt unter Jugendlichen legitimiert aber sogleich den neuen Rechtsextremismus. Allmachtsphantasien auf beiden Seiten, bei den Dschihadisten, den neuen „Göttern“, die ein bisschen „Gott“ über Leben und Tod spielen, und bei den alten Göttern, denen wegen ökonomischer Überlegenheit die Welt gehört. Dr. Bukasa identifiziert  frühzeitig eine neue Allianz der Rechten, die nun wieder ins Licht treten können und vor aller Öffentlichkeit den notwendigen, schützenden Mantel der nationalen Identität, in der Qualität eines „zugespitzten Nationalismus",  tragen lernen. 

Besonderes Augenmerk richtet er auf die Kommunikationszu-sammenhänge von Terror und Immigration und den schleichenden Verlust von BürgerInnenrechten. Über die Menschen, die in der Krise des Terrors kollektiv zu Feindbildern avanciert werden, die sogenannte Zweite Generation, die Kinder der ImmigrantInnen schreibt er: „Obwohl sie nach dem republikanischen staatsbürgerlichen Prinzip der Gleichheit gleichgestellt sind, sind sie tatsächlich angesichts ihrer Herkunft, Religion und Hautfarbe systemisch diskriminiert.“

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In seinen Artikeln kritisiert Dr. Bukasa eine Ordnung der Werte, die von Mainstreamlust und Vergnügungssucht motiviert ist und den anderen, also denjenigen, der anders ist, als permanente Gefahr wähnt. Dies motiviert sie eine „Verlassenheitskonstante zu produzierten, die durch das Leid eines Gegenübers laufend genährt wird". Der Zustand ist juridisch manifestiert und sozial in die Praxis gesetzt und wird angewandt. Dr. Bukasa betont stets die Gleichzeitigkeit der Phänomene, nämlich das Verlassensein einerseits und die Destruktivität desjenigen, dessen innere Leblosigkeit diesen Zustand produziert, andererseits. Der Terror ist das Resultat einer graduellen Kultur der Gewalt, schreibt er. Die Manifestierung der Gewalt aus dem Schoß des Islams, die den Westen und die westliche Lebensweise mit seinem Hang zum Konsum zum Feindbild erklärt hat, hat sein Pendant im Westen.

Postfaschismus ist für Europa die historisch gewachsene Krankheit wie der Kolonialismus für Afrika. Dr. Bukasa schreibt dazu: Der Grund, warum Postfaschismus eine Volkskrankheit europäischer Provenienz ist, liegt darin, dass er Teil der europäischen Kultur ist. Die ideologischen Ursprünge des Postfaschismus liegen in der Geistesströmung der Gegenaufklärung. Aufklärung und Gegenaufklärung bilden die zwei großen Traditionsstränge der europäischen Geistesgeschichte, die einander seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekämpfen – bis heute.

Die europäische Geistes-geschichte und ihre Werte stellt er hierbei den Werten und Traditionen der Bantu gegenüber. „Trotz der Jahre, die ich in der europäischen Kulturwelt verbracht habe, vergesse ich nicht die Kosmologie der Banuts, die meine individuelle Einmaligkeit des Seins im Prozess meiner kulturellen Reproduktion in der Weltgemeinschaft prägt und die mich auch in der ‚Fremde’ begleitet.“ Ein/e Bantu kennt keinen anderen ‚Fremden’ als sich selbst. Der/die unbekannte Andere bringt das mit, was ich vorher nicht gehabt, nicht gewusst habe, ist also eine Bereicherung, auch wenn diese Bekanntschaft im „besitzlosen“, Nichtshabenden versteckt ist."

Muntu", fährt er fort, „bedeutet in der Bantu-Kosmologie ‚Mensch sein’. Man wird nicht als Muntu geboren, man wird zum Menschen durch seinen Verantwortungssinn anderen gegenüber."

 

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Papas Appelle gegen ein Europa der Grenzzäune blieben wie die Appelle von vielen anderen ungehört: Die Pflicht der Lösungsfindung auf Basis gemeinsamer Bedürfnisse. Die Überzeugung, dass die Gleichzeitigkeit von lokaler Identität (ÖsterreicherIn), kultureller Identität (EuropäerIn oder AfrikanerIn) und globaler Identität (WeltbürgerIn) im Bewusstsein verankert sein soll. 

Der Vatermord taucht in diesem Kontext ebenso auf – zunächst noch als „Papa-Staat-Mord“, später als reiner Vatermord. Dies entspricht der Sehnsucht nach einem monoparentalen Gesellschaftsparadox. Dr. Bukasa identifiziert einen seltsamen Hang von Jugendlichen, die „dauerbeleidigt“ sind, wie er es nennt. Als treibende Kraft für dieses Verhalten nennt er häufig Jugendliche, die in monoparentalen Gesellschaften aufwachsen. Im globalen Kontext betrachtet, beschreibt er auch den Abnabelungswunsch von Arikanischer Kultur als der Urkultur oder dem Herkunftsort der menschlichen Rasse als diesen Vatermord. 

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In Afrika sieht mein Vater dieses Problem evident in den allgemein von Europa übernommenen Regierungsformen. In seinen Afrika-Diskursen beginnt er Ende 2016 daher damit, die Konzeption der Demokratie, der westlichen Demokratie in Afrika, heftig zu kritisieren und zu hinterfragen. Nicht weil Demokratie schlecht oder per se kritisierenswert ist, sondern weil das Konzept grundsätzlich eine europäische Gesellschaft voraussetzt. AfrikanerInnen haben ein anderes Kohabitationsverständnis wegen der Natur und den Tieren, die um sie existieren. Eine Art Transformation muss geschehen, die Transgender-Phänomene sind in diesem Zusammenhang auch nicht unwichtig, jedoch hat er das nur am Rande erwähnt. Demokratie ist seiner Ansicht nach nicht das, was die AfrikanerIn lernen muss, das kennt sie und hat sie immer gekannt. Doch während sie sich bemüht, eine gute Demokratin zu werden, weiß sie nicht, was ihr eigentlich fehlt. Mein Vater kam so weit zu formulieren, dass es die eigene Schule ist, die Afrika fehlt.

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